Sorranto

Franzosen

Henri Beyle alias Stendhal (1783-1854) Als Stendhals Mutter starb, entfremdete er sich seinem Vater, da er die Schwester der Mutter heiratete und den Sechsjährigen in die Obhut eines Hauslehrers gab, den er seinen „Tyrannen“ nannte. Doch wurde er gefördert von seinem Großvater, einem schöngeistig interessierten Arzt und Voltaire-Verehrer. Nach der Revolution besuchte er die neu eingerichtete Grenobler École centrale und ging dann nach Paris, um an der neuen École Polytechnique zu studieren.Dort wurde er von entfernten Cousins in ihr Haus aufgenommen; jetzt begann er zu schreiben. Seine Cousins gehörten zur näheren Umgebung Napoleon Bonapartes und davon profitierte auch Stendhal, denn er konnte als junger Offizier 1800 an Napoleons Italienfeldzug teilnehmen. Dabei entwickelte er sich zum Liebhaber italienischer Kunst, Musik und Lebensart. Bei einem anderen der napoleonischen Kriege kam er auch ins Königreich Westfalen, das von Napoleons jüngerem Bruder Jérôme Bonaparte regiert wurde. 1812 nahm er sogar an Napoleons Russlandfeldzug teil, den er unbeschadet überstand. Doch immer wieder lag er krank danieder, geplagt von der Syphilis, die er in einem Bordell in Mailand geholt hatte. Nach dem Zusammenbruch von Napeleons Herrschaft machte sich auf Reisen und veröffentlichte kunsthistorische Werken und Reisebüchern, Nachdem er diese zunächst unter wechselnden Pseudonymen veröffentlicht hatte, publizierte er schließlich unter dem Namen „M[onsieur]. de Stendhal“, da er Johann Joachim Winckelmann sehr bewunderte, der dort geboren war. Sorrent besuchte der Dichter am 18.Oktober 1817 und war so begeistert, dass er das Städtchen le plus beau lieu de la terre nannte. In dem Reisebuch Rome, Naples et Florence schreibt er: Ich habe mit großem Interesse die Briefe (Le Lettere) von Torquato Tasso gelesen.. „Ihr solltet Euch mal il gran scoglio (die große Klippe) ansehen, wo dieser feinfühlige Mensch geboren ist.“ Eines der schönsten Reisebücher war Promenades dans Rome (1829). 1838 diktierte er in nur 53 Tagen in Civitavecchia den Roman La Chartreuse de Parme, die spannende Geschichte des jungen lombardischen Adeligen Fabrice del Dongo, der dem Napoleon der Hundert Tage zu Hilfe zu eilen versucht.

Alexandre Dumas der Ältere (1802 – 1870)

Alexandres Vater war der Sohn eines Mulatten. Nach der Abschaffung der Sklaverei durch die französische Revolution 1791 stieg dieser zum General der Revolutionstruppen auf und nahm am Italienfeldzug Napoleons teil. Da der Vater schon mit 44 Jahren starb, erhielt der Sohn keine gute Schulbildung, vielmehr musste er mit 14 Jahren die Stelle eines Schreibers bei einem Notar annehmen. Er entdeckte jedoch früh sein schriftstellerisches Talent und ging nach Paris, wo er sich als Lyriker und als Journalist betätigte. In Paris lernte er Victor Hugo. Kennen. Nach dem Erfolg von Henri III et sa cour (Heinrich III. und sein Hof) konzentrierte er sich auf romantische Dramen. Daneben begann er, spannende Abenteuerromane zu schreiben, von denen er insgesamt ca. 600 Bde. schaffte. In all diesen Romanen handelt es sich um tatsächliche historische Ereignisse, die Helden und Protagonisten sind erfunden. Sein bekanntester Roman sind Les trois mousquétaires (Die drei Musketiere, 1844) und Le comte de Monte-Christo (Der Graf von Monte Christo, 1845-46) und Le collier de la reine (Das Halsband der Königin, 1848-50). Trotz seiner beachtlichen Einkünfte steckte er oft in Schulden, denen er sich z.T. durch längere Auslandsaufenthalte zu entziehen versuchte. So hielt er sich 1860-64 in Italien auf. Als er 1860 mit seiner neugekauften Jacht nach Genua kam, hörte er, dass Garibaldi mit seinen 1000 Freiwilligen nach Sizilien aufgebrochen war. Sofort reiste er ihm nach Palermo nach und bot ihm 50.000 Franken fü seinen Befreiungskampf. Nachdem Garibaldi die bourbonischen Truppen besiegt hatte, zogen der Schriftsteller und der Revolutionär im jubelnden Neapel ein. Aus Deankbarkeit verhalf Garibaldi dem gebildeten Franzosen zu einem Traumjob: Verantwortlicher für die Museen der Stadt Neapel. In Neapel gründete Dumas die Zeitung «L'indipendente» und widmete sich intensiv der Ausgrabungen in Pompeji. Von Pompeji aus kam er öfters nach Sorrent. 2002, zur zweihundertsten Wiederkehr seines Geburtsjahres, wurden seine Gebeine ins Pariser Pantheon überführt - sicher auch als ein Signal gegen den Rassismus, denn zu Lebzeiten wurde Dumas häufig als „Neger“ geschmäht.

Charles Alexis Henri Maurice Clérel de Tocqueville (1805 – 1859)

Nach seiner Schulzeit in Metz zog De Tocqueville nach Paris, studierte dort Rechte und wurde Untersuchungsrichter in Versailles. Daneben hörte er Geschichtsvorlesungen an der Pariser Sorbonne und promovierte 1830. 1831 beauftragte ihn die Regierung, das Rechtssystem und den Strafvollzug in den Vereinigten Staaten von Amerika zu studieren. Tocqueville bereiste die USA und schrieb « Du système pénitentiaire aux États-Unis » Aus den dort gemachten Erfahrungen resultiert das berühmte Hauptwerk « De la démocratie en Amérique » Das Buch beschreibt unter anderem die Demokratie im Kontext der Zivilgesellschaft. Dabei arbeitete er spezifisch amerikanische Ursachen für die Art und Weise des Funktionierens der Demokratie in den USA heraus. Damit legte er die Grundlage für den immer noch aktuellen politikwissenschaftlichen Disput über den American Exceptionalism. Dahinter verbirgt sich die Frage nach der Bewertung der politischen, sozialen und ökonomischen Unterschiede zwischen den USA und anderen Staaten. Als Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung übernahm er 1849 das Auswärtige Amt. Er trat zurück, als Louis Napoléon, der spätere Napoléon III., sein Regierungssystem stärker in den Vordergrund schob. Als einer der letzten Verteidiger des Parlamentarismus opponierte er scharf gegen die Politik des Präsidenten der Republik. Beim Staatsstreich am 2. Dezember 1851 wurde er verhaftet. Er durfte sich nach einiger Zeit ins Privatleben zurückziehen. Das gab ihm die Möglichkeit zu reisen. Die folgenden Ausführungen stammen aus Oeuvres et correspondance inédites d´A. de T. publiées et précédées d´une notice par Gustave de Beaumont. Wir sind auch weiterhin verzaubert von unserem Aufenthalt in Sorrent. Mir kehren allmählich die Kräfte zurück. Das, was man über das frische Klima von Sorrent sagt, ist übertrieben. Ich habe in Frankreich noch nie einen Mai erlebt, das so durchgehend warm und schön war wie der Dezember, den ich gerade hier verbrachte. Der Thermometer ist nachts nie unter 6 Grad gefallen, tagsüber stieg er auf 12- 15 Grad.“