Sorranto

In der Nacht zum 3. September 1786 brach der Geheimrat Goethe unter falschem Namen von Karlsbad auf, um sich einen langgehegten Wunsch zu erfüllen, nämlich Italien zu sehen. Die 22 Monate, die er in diesem Land verbrachte, waren für den Dichter nichts weniger als eine geistige Wiedergeburt. “Ich werde nie mehr derselbe sein”, so fasste er die Eindrücke zusammen, die Italien auf ihn machten. Der klare Himmel, die liebliche Landschaft, die sympathischen Menschen, der Genius des Landes, setzten in Goethe kreative Kräfte frei, die der Nachwelt Werke vermachten, wie Iphigenie auf Tauris, Egmont, Torquato Tasso, die römischen Elegien und die Metamorphose der Pflanzen. Während seines Aufenthaltes in Neapel im Jahre 1787 besuchte Goethe mehrmals Sorrent. In seiner “Italiänischen Reise” meinte er, dass Rom der Platz zum Studieren, die Stadt Sorrent aber der Ort zum Vergnügen sei. Hier vergesse man sich und die Welt. Der Dichter hatte den Eindruck, dass die Menschen hier an nichts anderes als an das Vergnügen dächten. Als Goethe am 30.3.1787 Neapel mit dem Segelboot in Richtung Sizilien verließ, hatte er in seinem Gepäck das Manuskript der ersten beiden Akte eines Dramas über das Leben und die Liebschaften des Torquato Tasso, des großen Sohnes von Sorrent, bei sich. Es waren die einzigen Schriften, die er mit sich nach Sizilien nahm. Er selbst sah sich in der Rolle des Torquato Tasso, seine neue Liebe, Frau von Stein, aber fand ihr Spiegelbild in der Gestalt der Eleonora d’Este. Das Stück wurde dann im Frühjahr 1790 von Göschen in Leipzig publiziert. Wie man sich denken kann, wird gerade dieses Stück des Öfteren in Sorrent, und zwar im romantischen Kreuzgang von San Francesco, aufgeführt

Siehe Studienordner „Goethe in Neapel“ 4.2.1, „Goethe am Vesuv“ 3.6.6.