Sorranto

Edward Grieg (1843 - 1907)

Edvard wurde als viertes von fünf Kindern in Bergen geboren. Sein Vater war Kaufmann, sein Großvater war einst aus Schottland eingewandert und einen Fischhandel aufgebaut. Seine Mutter Gesine (geb. Hagerup) war eine erfolgreiche Pianistin und veranstaltete in ihrem Haus Musizierkreise. Von seiner Mutter erhielt er auch Klavierunterricht. Mit neun Jahren begann er erste eigene Kompositionen zu entwerfen. Nach dem Musikstudium am Konservatorium Leipzig übersiedelte er nach Kopenhagen. 1864 gründete er zusammen mit Hans Christian Andersen und anderen Musikern in Kopenhagen die Konzertgesellschaft zur Pflege neuer skandinavischer Musik. 1869/70 hielt er sich als Stipendiat in Rom auf, wo er Franz Liszt begegnete. Grieg unternahm Reisen durch ganz Europa als Pianist und Dirigent. 1865 und noch einmal 1870 besuchte er Italien. Beim zweiten Male wohnte er auch in Sorrent, wo er die Szenenmusik für Peer Gynt von Ibsen schrieb. Ibsen und Grieg hatten sich 1866 in Rom kennengelernt, waren aber nie Freunde geworden.

Peer Gynt

Peer Gynt entstand auf der Vorlage norwegischer Feenmärchen von Peter Christen Asbjørnsen. Sie waren zwischen 1845 und 1848 unter dem Titel Norske Huldre-Eventyr og Folkesagn erschienen. In seinem Werk setzte sich Ibsen kritisch mit dem romantischen Nationalismus im Norwegen seiner Zeit auseinander. Er schuf es während seines Aufenthaltes in Italien, vor allem in Sorrent, aber auch auf Ischia.

Peer Gynt war ursprünglich nicht für die Bühne geschrieben worden. Einige Jahre nach der Fertigstellung änderte Ibsen jedoch seine Meinung in diesem Punkt und begann das bis dahin in der Lesefassung sehr erfolgreiche Gedicht zu einer Bühnenfassung umzuarbeiten, was einige Kürzungen mit sich brachte. Für dieses Vorhaben schuf Edvard Grieg insgesamt 26 Musikstücke, aus denen er 1888 und 1891 seine beiden Peer-Gynt-Suiten zusammenstellte. Die Uraufführung erfolgte am 24. Februar 1876 im Christiania-Theater in Christiania (heute Oslo).

Aus der dazugehörigen Musik stellte Grieg 1888 und 1891 die Suiten zusammen, welche die Werkbezeichnungen Opus 46 und 55 tragen.

Hier die Sätze:
Suite No. 1:

  • Morgenstimmung (Allegretto pastorale)
  • Åses Tod (Andante doloroso)
  • Anitras Tanz (Tempo di Mazurka)
  • In der Halle des Bergkönigs (Alla marcia e molto marcato)

Suite No. 2:

  • Der Brautraub - Ingrids Klage (Allegro furioso-Andante doloroso)
  • Arabischer Tanz (Allegretto vivace)
  • Peer Gynts Heimkehr (Allegro agitato)
  • Solvejgs Lied (Andante-Allegretto tranquillamente)

Diese Satzzusammenstellung entspricht nicht der Ordnung der Stücke im Drama. Grieg schuf selbst Fassungen für 2- und 4-Händiges Klavier der beiden Suiten. Besondere Bekanntheit hat der erste Satz, "Morgenstimmung" erlangt, da er als eine Art Prototyp romantischer Musik in Filmen und auch in der Werbung (z.B. AEG; Rama) immer wieder verwendet wurde.

Heute besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die nationalromantische Musik Griegs denkbar schlecht zu Ibsens modernem Drama passt, obwohl sie mindestens zwei große Hits der klassischen Musik zu bieten hat ("Solvejgs Lied", "In der Halle des Bergkönigs"); in zeitgenössischen Theaterproduktionen wird sie entweder gar nicht mehr oder nur ironisch verwendet. Grieg hat in Briefen denn auch mehrfach geäußert, daß Peer Gynt nie seine Sympathie gewinnen werde. Der dänische Märchendichter Hans Christian Andersen hielt das Werk gar für das Schrecklichste, das er je gelesen hat.