Sorranto

Jakob Philipp Hackert (1737 - 1786)

Jakob Philipp Hackert begann seine künstlerische Ausbildung in der Werkstatt seines Vaters Philipp Hackert (gest. 1786) und seines Onkels, einem Berliner Dekorationsmaler. Er besuchte ab 1758 die Akademie der bildenden Künste Berlin und machte 1761 erstmals mit zwei Veduten auf sich aufmerksam. Baron Adolf Friedrich Olthoff lud ihn nach Stralsund, Rügen und Stockholm, wo Hackert Wandmalereien in dessen Besitzungen ausführte. 1765-1768 weilte Hackert zur weiteren Ausbildung in Paris. Dort machte er die ihn zeitlebens prägende Bekanntschaft mit dem französischen Landschafts- und Marinemaler Claude Joseph Vernet (1714-1789) und dem Kupferstecher Johann Georg Wille (1715-1808), der ihn während seiner Pariser Zeit begleitete und förderte.

Um „Studien der schönen Natur in Italiens reizenden Gegenden fortzusetzen und sich in Roms lehrreichem Aufenthalte völlig auszubilden“ (BA Bd. 19, S. 535, 19-21) reiste Hackert mit seinem Bruder nach Rom. Kontakte zu dem in Rom als Kunstautorität geltenden Johann Friedrich Reiffenstein (1719-1793) und dem englischen Diplomaten William Hamilton (1730-1803) etablierten schnell Hackerts Ruf als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler seiner Zeit. Die Aufträge von zahlreichen Grand-Tour-Reisenden vor allem aber vom russischen Hof sowie die Festanstellung als Hofmaler König Ferdinands IV. von Neapel im Jahre 1786 brachten ihm einen großen wirtschaftlichen Erfolg. Für die weite Verbreitung seiner Werke sorgte die Kooperation mit seinem Bruder Georg Hackert (1755-1805), der zahlreiche Stiche nach Zeichnungen und Gemälden fertigte. 1786 trafen sich Goethe und Hackert erstmals persönlich in Neapel. Ihr gemeinsame Stellung als „Hofkünstler“, Goethes Verehrung gegenüber Hackerts Talent als Zeichenlehrer und die hohe Wertschätzung der Hackertschen Landschaftsauffassung verbanden die beiden auch nach Goethes Abreise aus Italien, so dass Goethe 1811 zu Hackerts erstem Biograph wurde. Infolge des Lazzaroni-Aufstandes musste Jakob Philipp Hackert mit seinem Bruder und Tischbein über Livorno und Pisa nach Florenz flüchten. Dort starb er am 8.4.1807.

Hackert und Goethe

Ein angebornes entschiedenes Talent, durch anhaltenden Fleiß ausgebildet und gesteigert, ein reines ruhiges Gemüt, eine klare Denkweise, eine bei vieler Weltkenntnis und Gewandtheit unbefleckt erhaltene Redlichkeit bezeichneten seine Natur. Sein rastloses Wirken, seine Ausdauer war musterhaft, seine Heiterkeit, sein Gleichmut beneidenswert. Er zeigte durchaus die bereitwillige Anhänglichkeit an seinen Herrn, den König, eine mehr als väterliche Sorgfalt für seine Brüder und eine unverrückte treue Neigung gegen die, welche ihm seine Freundschaft abzugewinnen wussten. Von seiner Denk- und Handelsweise gibt auch seine hinterlassene Lebensbeschreibung, die wir dem deutschen Publikum bald mitzuteilen wünschen, das schönste Zeugnis.(Goethe 1807, zitiert nach Krönig 1994, S. 21)

Mit diesen Worten beschreibt Goethe den Maler Jakob Philipp Hackert in einem 1807 bei Cotta veröffentlichten Nachruf. Der Aufsatz galt als Vorabpublikation für die geplante und nach langen Streitigkeiten mit den Hackert-Erben erst 1811 veröffentliche Biographie mit dem Titel „Philipp Hackert. Biographische Skizze. Meist nach dessen eigenen Aufsätzen entworfen von Goethe“. Sie besteht aus drei Teilen: einem Abriss des Lebens- und Kunstganges, dem Reisejournal eines englischen Reisebegleiters auf Hackerts Sizilienreise und weiteren Anekdoten über seine Kunst- und Lebenstätigkeit.

Die Biographische Skizze, nach dem Vorbild der Beschreibungen von Cellini und Winckelmann, sollte neben einer Würdigung von Hackerts Kunst vor allem eine didaktische Funktion für zeitgenössische Künstler haben. In dieser Forderung zeigt sich in erster Linie Goethes restriktives Verhalten gegenüber der Romantik, und es erstaunt nicht, dass eine Resonanz unter den Künstlern, die am Beginn des 19. Jahrhunderts eine neuen Landschaftsauffassung vertraten, nahezu völlig ausblieb. Auch zeitgenössische Kunstkritiker sprachen sich gegen Goethes epochale Einschätzung von Hackerts Kunst aus.

Goethe war bereits im Juni 1783 durch zwei Landschaften, die sich in der Sammlung des Herzogs von Gotha befanden, auf Hackert aufmerksam geworden. Im Februar 1787 berichtet er in seiner Italienischen Reise schließlich vom ersten persönlichen Zusammentreffen mit dem Künstler in Neapel, der im Dienste des Königs mit der Überführung der Sammlung Farnese nach Neapel betraut war. Goethe schätzte an ihm und seiner Malweise die Gewissenhaftigkeit und Struktur, die Kunstfertigkeit sowie den unermüdlichen Arbeitsethos und die Geduld bei gleichzeitig heiterem, umgänglichem Wesen. Auch wenn Hackert ein aufrichtiger Verfechter von Johann Georg Sulzers (1720-1779) „Allgemeine Theorie der schönen Wissenschaften und Künste“ war, die Goethe in jungen Jahren in seinem Aufsatz „Die schönen Künste in ihrem Ursprung, ihrer wahren Natur und besten Anwendung“ scharf kritisiert hatte, fand er in Hackert einen achtbaren Lehrer für seine Zeichenstudien:

In Tivoli war ich mit Herrn Hackert draußen, der eine unglaubliche Meisterschaft hat, die Natur abzuschreiben und der Zeichnung gleich eine Gestalt zu geben. Ich habe in diesen wenigen Tagen viel von ihm gelernt [...]. Herr Hackert hat mich gelobt und getadelt und mir weitergeholfen. Er tat mir halb im Scherz, halb im Ernst den Vorschlag, achtzehn Monate in Italien zu bleiben und mich nach guten Grundsätzen zu üben; nach dieser Zeit, versprach er mir, sollte ich Freude an meinem Arbeiten haben. (HA, Bd. 11, S. 351, 4-20)

Vielleicht geh’ ich wieder nach Neapel, um Hackerts Unterricht zu genießen. Er hat mich in vierzehn Tagen, die ich mit ihm auf dem Lande war, weiter gebracht, als ich in Jahren für mich würde vorgerückt sein. (HA, Bd. 11, S. 382-383, 37-4)

Hackerts Meisterschaft, die „Natur abzuschreiben“, d.h. sich einer genauen Naturbeobachtung bzw. Naturerforschung zu verpflichten, kam Goethes Studienauffassung sehr entgegen. Diese zeigt sich primär in den zahlreichen Studienblättern und Sepiazeichnungen von Landschaftsprospekten, einzelnen Baum- und Pflanzenstudien. Hackerts Zeichnungen dienten ihm als unerreichbares Vorbild, eifrig hat er sie zahlreich gesammelt.

Teilweise übernommen aus www.goethezeitportal.de