Sorranto

 

Paul Heyse (1830 – 1914).

Heyse fand schon im Elternhaus eine Atmosphäre vor, in der kultivierte Geselligkeit, geistig-literarischer Austausch, die Anteilnahme an Musik und bildender Kunst Selbstverständlichkeiten waren. Die Mutter war mit der Familie Mendelssohn-Bartholdy verwandt und stand mit den führenden jüdischen Salons in Berlin in geselligem Verkehr. Schon während seiner Schulzeit am Gymnasium entstanden erste literarische Versuche, auf die Emanuel Geibel aufmerksam wurde. Aus der Förderung durch den 15 Jahre Älteren und schon Berühmten erwuchs eine lebenslange Freundschaft und gemeinsame literarische Arbeit.

Die Freundschaft zum Haus des Kunsthistorikers Kugler brachte Heyse in Kontakt mit Burckhardt, Menzel, Fontane und Storm, schließlich mit der literarischen Vereinigung »Tunnel über der Spree«. Nach vier Semestern Studium der klassischen Philologie in Berlin wechselte Heyse zum Studium der Kunstgeschichte und Romanistik nach Bonn und promovierte 1852 mit einer Arbeit über die Lyrik der Troubadoure der Provence. Zuvor schon hatte der Vater des Sohnes Entschluss, Dichter zu werden, freudig begrüßt.

Den 24jährigen erreichte auf Vermittlung Geibels der Ruf des bayerischen Königs Maximilian II. 1854 übersiedelte Heyse nach München und nahm regelmäßig teil an den »Symposien« des Königs im Dichter- und Gelehrtenkreis. Daraus ergaben sich vielfältige gesellschaftliche Verbindungen. Er konnte sich eine herausragende Stellung als literarische Autorität aufbauen und sie über Jahrzehnte als Hofpoet und Dichterfürst in der Nachfolge Goethes behaupten. Um den brachliegenden literarischen Austausch in München zu beleben, hatte Heyse mit Geibel schon 1854 nach dem Muster des Berliner »Tunnel« die Dichtervereinigung »Krokodil« gegründet und seit 1868 auch geleitet.

Viele seiner Novellen siedelte Heyse in seiner Wahlheimat Italien an, wo er auch im Alter. Den Winter verbrachte er auf seinem Landsitz in Gardone am Gardasee oder auf Capri oder in Sorrent. Er war stolz darauf, dass er mit Wagner und Nietzsche die Vorliebe für das südliche Europa teilte. Mit Wagner diskutierte er oft darüber in dessen Hotel Vittoria in Sorrent. Sorrent war für ihn eine Quelle der Anregung. Nach dem Tod seiner Frau Margarita 1865 kehrte er jedoch für immer nach Deutschland zurück.

n München erwarteten ihn viele Ehrungen: 1871 Aufnahme in den Kreis der Ritter des Maximilians-Ordens, 1884 der Schiller-Preis, 1910 die Ehrenbürgerschaft der Stadt München. Die größte Ehrung war jedoch der Literatur-Nobelpreis, den Heyse 1910 als erster deutscher Dichter erhielt.

Als die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, taten sie alles, um das Werk des jüdischen Schriftstellers vergessen zu lassen.

Seine Autobiographie trägt den Titel Jugenderinnerungen und Bekenntnisse. Heyse Heyse war es, der den Deutschen des 19. Jahrhunderts Italien wieder nahebrachte. Besonders mit seinen italienischen Mädchengestalten wie Laurella aus „L'Arrabbiata“ oder „Nerina“ bewegte er die Deutschen. Er verstand es ihnen in seinen Erzählungen Land und Leute, Sprache und Geschichte näher zu bringen Durch das Werk Italienische Dichter seit der Mitte des 18ten Jahrhunderts: Übersetzungen und Studien (1889-1905) wurde die neuere italienische Literatur des letzten Jahrhunderts in Deutschland bekannt. Hier finden sich Übersetzungen von Gedichten Manzonis, Leopardis und D'Annunzios. Von seiner Italienbegeisterung wurden jüngere Autoren wie Thomas Mann und Isolde Kurz angesteckt. Auch wenn er Italien und Deutschland seine beiden Vaterländer nannte, war er offen für die Literatur der anderen Völker. Heyse verband eine Freundschaft mit Turgenew und er war einer der ersten, der in Deutschland Dostojewski bekannt machte.

Gemeinfreie Werke in Gutenberg
http://gutenberg.spiegel.de/autoren/heyse.htm

Ausführliche Biografie und Würdigung auf Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Heyse


Paul Heyse: Lied von Sorrent

Zur Melodie: Sto cresenno no bello cardillo
Wie die Tage so golden verfliegen,
Wie die Nacht sich so selig verträumt,
Wo am Felsen mit Wogen und Wiegen
Die gelandete Welle verschäumt,
Wo sich Blumen und Früchte gesellen,
Dass das Herz dir in Staunen entbrennt-
O du schimmernde Blüte der Wellen,
Sei gegrüßt, du mein schönes Sorrent!

Und die Nacht, wenn so süß Luisella
Ihre lachenden Lieder uns singt
Und der Wirbel der Luft, Tarantella,
Wie ein Flämmchen im Sturme sie schwingt.
An der Bucht sich die Gärten erhellen
Unterm leuchtenden Nachtfirmament
O du schimmernde Blüte der Wellen,
Sei gegrüßt, du mein schönes Sorrent!

Hier entrinnst du der Sorgen Getriebe,
Und es trägt dich auf Händen die Lust,
Und sogar das Gedächtnis der Liebe,
Hier beschleicht es gelinde die Brust.
Und du tauchst in die heilenden Quellen,
In des heiligen Meers Element-
O du schimmernde Blüte der Wellen,
Sei gegrüßt, du mein schönes Sorrent!

Auch der tobenden Stürme Getümmel,
Hier belebt es nur Blüten zuhauf,
Und es lösen die Wetter am Himmel
In ein fruchtbar Geriesel sich auf.
Wenn die Früchte, die herbstlichen, schwellen,
Ach, wie weit, ach, wie bin ich getrennt!
Dann ade, o du Blüte der Wellen,
Dann ade, du mein schönes Sorrent!