Sorranto

Geschichte Sorrents in römischer Zeit

Rom kommt

Überhaupt waren die Samniten harmlos im Vergleich zu dem aggressiven Volk, das sich bereits im Norden bemerkbar machte. Rom war bereits zu einer Großstadt gewachsen und brauchte Getreide um die Massen zu ernähren. Das Getreide wuchs aber in der fruchtbaren Campania im Süden und es war nur eine Frage der Zeit, bis die Legionen Roms sich hierher aufmachen würden. Jetzt konnte man die Samniten, die auch nicht mehr als Eindringlinge angesehen wurden, bei der Verteidigung gut gebrauchen. Die Stämme des Hinterlandes sollten den Leuten vom Tiber Einhalt gebieten. Diese rüsteten aber ihre Legionen aus und schickten sie zu den Samniten. Die freiheitsliebenden Bergvölker wehrten sich tapfer und mit Erfolg. In der Schlacht an den Kaudinischen Pässen im Jahre 321 v. Chr. brachten sie den Söhnen des Romulus eine demütigende Niederlage bei. Das gesamte römische Heer musste unter einem symbolischen Joch, das die Bergbewohner mit Speeren machten, hindurchkrabbeln. Dieser Vorgang, den die Römer sub iugum mittere nannten, war für sie ein traumatisches Erlebnis. Folglich nahmen sie alle ihre Kräfte zusammen und besiegten in den drei verlustreichen „Samnitischen Kriegen“ ihre Gegner (343-290). Nun lagen ihnen die fruchtbaren Gefilde der „glücklichen Campania“ (Campania Felix) offen und sie gingen sofort daran das Land zu verteilen. Nach und nach übernahmen die Verwalter der Urbs das ganze Land, das aber noch lange griechisch oder oskisch sprach. Bevor die neuen Herren vom Tiber das Land mit den Städten ganz übernehmen konnten, mussten sie selbst ums Überleben kämpfen. Der Feind kam aus Afrika und stand plötzlich mit seinen Elephanten im eigenen Land. 219 hatte Hannibal die Alpen überschritten und die Römer am Alpenrand (Trebia) und am Trasumener See (218 v.Chr.) geschlagen fast vernichtet. Nun hatte er auf die Mithilfe der griechischen Städte des Südens, darunter auch Sorrent. Diese würden – so die Überlegungen des Puniers – die Herrschaft der ungeliebten Römer abschütteln und mit fliegenden Fahnen zu Karthago übergehen. Dies war aber ein Trugschluss. Die Griechen Süditaliens waren durch den Handel zu Geld gekommen. Die Expansion Roms bot ihnen dabei weitere Märkte und Möglichkeiten. Roms Verwaltung schaffte Frieden und Sicherheit, worauf es Geschäftsleuten in erster Linie ankommt. Die Stadt Karthago war ebenfalls Handelsmacht und damit ein potentieller Konkurrent. Folglich würde sich eine Allianz mit Rom für die meisten Städte als Vorteil erweisen. Doch gerade die mächtigsten Städte der Griechen wie Tarent und Syrakus stellen den Patriotismus über ökonomische Überlegungen und schlossen sich Hannibal an. Nicht so Sorrent; die Stadt sah in der Pax Romana die größeren Vorteile, auch wenn man die Römer nicht mochte. Als Hannibal das römische Heer bei Cannae (216) vernichtet hatte, zog dieser in die Campania und eroberte Sorrent und einige andere Städte. Aber auf die Dauer zahlte sich die Allianz mit Rom doch positiv aus. Die Römer andererseits mochten Sorrent. Sie erkannten sofort, wie gut sich die Stadt und die Halbinsel als Ort der Sommerfrische eigneten. Da die Römer aber im Grunde ihres Herzens immer Bauern blieben, betrieben sie hier hobbymäßig die Landwirtschaft, auch wenn es sich finanziell nicht lohnte. Davon zeugen die vielen villae rusticae, die man hier fand und deren bekannteste Vertreterin die Villa der Mysterien in Pompeji ist. Auch Sorrent ist stolz auf die Reste einer wunderbaren Villa Rustica am Capo di Sorrento. Ihr Besitzer war Felix Pollius aus Pozzuoli. Ärger gab es erst über 100 Jahre später. Die Römer glaubten, sie könnten die neuerworbenen Provinzen nur aussaugen, ohne ihnen irgendwelche Rechte zu gewähren.

Das trieb diese zum Aufstand. Im sogenannten Bundesgenossenkrieg (bellum sociale) wollten mehrere Städte Italiens größere Rechte von Rom abtrotzen. Rom weigerte sich zunächst und so schloss sich Sorrent den Aufständischen an. Rom schickte seinen Feldherrn Sulla, der die Städte Sorrent und Pompeji einnahm. Nun mussten beide Städte römische Veteranen aufnehmen und ihnen einen Teil der Gemarkung abtreten. Da diese römischen Soldaten und Beamten weiter ihren gewohnten Lebensstil wollten, bauten sie die für römische Städte typischen Einrichtungen wie Thermen, Nymphäum, Theater. Damals entstanden auch die Tempel von Venus, Apollo und Kybele, die für die neuen Herren wichtiger waren als die alte Schutzpatronin Athene. Als Kaiser Tiberius sich auf Capri niederließ, profitierte auch Sorrent davon. Jetzt setzte der Tourismus der reichen Römer erst richtig ein. Übrigens besaß schon der Vorgänger des Tiberius, Augustus, eine Villa in der Stadt und eine Villa Rustica, die er zu Ehren seines Adoptivvaters CAESARIANUM nannte. Dort wohnte auch öfters sein Stiefsohn Tiberius. Nach Sorrent kam auch Vergil und opferte im Tempel der Venus der Göttin die Statue eines Cupido, um ihre Mithilfe bei der Fertigstellung der “Aeneis” zu sichern. Anstelle der Zitrushaine bedeckten damals jedoch Weinberge und dichte Wälder die Hänge um die Stadt. Beata et amoena natura sagt Plinius. Wir wissen von dem Schriftsteller Sueton, dass Augustus seinem Freund (und späteren Schwiegersohn) Agrippa eine Villa einrichtete. Sie befand sich an der Stelle des heutigen Hotels Sirena. Im Gefolge es Kaisers entstanden jetzt mehrere große Landhäuser. Die Anwesenheit des Kaiser zog aber eine Menge von Bediensteten nach sich. Dies erfahren wir von den Grabsteinen, die in Sorrent im Laufe der letzten zweihundert Jahre ausgegraben wurden. Zum Teil sind sie im Museum ausgestellt, Darunter ist das Grab eines Maurers (structor), eines Malers (pictor), eines Gärtner (topiarius), eines Kammerdieners (cubicularius), eines Krankenpflegers (valetudinarius), eines Galadiators. Wir haben auch den Grabsteins des Chefs der kaiserlichen Bodygards (specularii), deren Namen davon zeugt, dass sie überall ihre Augen haben (speculari = herumschauen). Dem Kaiser Augustus selbst hat man einen schönen Marmoraltar gestiftet, der heute im Museum Correale steht. Mit der religiösen Krise der Zeit drangen nun neue Kulte aus dem Orient ein. Dank enger Handelsverbindungen mit Alexandria hatten die ägyptischen Kulte ihre Nase vorn. Wo heute der Dom der Stadt steht, erhob sich ein mächtiger Tempel für die ägyptische Göttin Isis. Dort hat man den Ehrenstein für den ägyptischen Priester Padimenepipet ans Licht geholt. Eine Sphinx aus Granit, die heute im Museum steht, zierte lange einen Brunnen beim Dom.

Doch waren es früher fremde Völker, die den Frieden der Bewohner bedrohten, zeichnete sich nun eine neue Gefahr von ganz anderer Seite ab. Diese Gefahr kam aus dem Inneren der Erde. Man kannte den Spitzberg auf der anderen Seite des Golfes. Dorthin gingen die römischen Adeligen zu Jagd, von dort bezogen sie die Spitzenweine, während die Alteingesessenen sich mit dem Surrentinum, einem einfachen Bauernwein begnügten. Die erste Warnung kam im Jahre 62 n.Chr. Ein verheerendes Erdbeben bracht viele Häuser in Sorrent zum Einsturz. Doch waren die Schäden bei weitem nicht so schlimm wie in Pompeji, das fast dem Erdboden gleichgemacht wurde. Damals dachte keiner daran, dass der Vesuv hinter all dem steckt. Niemand wusste, dass es sich um ein schlafendes Monster handelt, denn nichts deutete daraufhin, dass es sich um einen Vulkan handelte. Doch gab es einen Wissenschaftler namens Strabo, der ca. 50 Jahre vorher durch die Gegend gezogen war und sofort erkannt hatte, dass es sich bei diesem spitzen Kegel nur um einen Vulkan handeln könne. Er hatte dies auch in seinem Werk Geographika niedergeschrieben. Aber erstens interessierten sich nur wenige Leute für die wissenschaftlichen Ausführungen des „Schielenden“ (das bedeutet der Name Strabo), zweitens hatte er sein Werk auf Griechische geschrieben, das nur noch wenige Leute in Sorrent und Umgebung sprachen. Die neue Linqua Franca war Latein, das iedem Aufstieg und Mobilität garantierte. Dann kam 79 n.Chr. die Katastrophe: Pompeji, Stabiae und Herculaneum verschwanden von der Erdoberfläche. Aber Sorrent bekam auch seinen Teil ab. Die Einwohner mussten nach dem Spuk ihre Stadt von einer meterdicken Ascheschicht wieder herausschaufeln. Noch größer war der wirtschaftliche Schaden. Da es Jahre dauern würde, bevor die Stadt wieder funktionsfähig war, zogen viele reichen Römer nach Baiae um. Sorrent kam nun als mondäner Ferienort außer Mode.

Titus, der Kaiser, der während des Untergangs Pompejis an der Herrschaft war, setzte eine Kommission ein, die prüfen sollte, ob man Pompeji wieder ausgraben sollte. Diese entschied, das im Falle Pompejis nichts mehr zu machen sei. Sorrent und den anderen Städten gegenüber zeigte sich Titus aber großzügig. Er ließ in unserer Stadt eine Sonnenuhr reparieren, die schon beim Erdbeben eingestürzt war (horologium cum suis ornamentis terrae motu conlapsum restituit). Dafür stellte der Stadtrat und das Volk (ordo et populus) von Sorrent ihm eine schöne Statue hin. So machte man es auch bei anderen Kaisern, die Sorrent etwas Gutes taten. Auch Konstatntin der Große, erhielt für sich, seine Frau und seinen Sohn einen Ehrenaltar. Nun ließ aber dieser erste christliche Kaiser, dessen Brutalität gefürchtet war, Frau Fausta und Sohn umbringen und wollte, dass ihre Namen aus der Welt verschwinden. Nun mussten die armen Sorrentiner deren Namen wieder auskratzen (damnatio memoriae). Weiterhin bezog man von der Halbinsel aber den Wein , der sich inzwischen einen guten Namen bei den Conoisseurs von Rom gemacht hatte. Schon Plinius d.Ä. hatte ihn im 14.Buch seiner Naturgeschichte über alles gelobt; noch bis ans Ende der Kaiserzeit hatte er viele Freunde in Rom. Als Kaiser Diokletian im 3. Jh. im ganzen Imperium einen Preisstopp erließ, um der Inflation Einhalt zu gebieten, führte er namentlich den Wein von Sorrent auf. Der Preisstopp lief – wie immer – ins Leere.

Die Christen

Nach Jahren der Verfolgung durch Kaiser wie Nero, Domitian, Diokletian wurde den Christen im Toleranzedikt von Mailand die Glaubensfreiheit zugestanden. Über die ersten Jahre des Christentums auf der Halbinsel gibt es keine verlässlichen Nachrichten, aber eine Menge von Legenden. Die erste sichere Nachricht berichtet von einem Bischof Rosarius, der 499 an einem Konzil in Rom teilnahm. Das bedeutet, dass Sorrent einer der ersten Bischofssitze Italiens besaß.

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Dieser Artikel ist dem Studienordner Neapel von entnommen.