Sorranto

Die neapolitanische Krippe

Das Thema

Die Grundlage der Weihnachtskrippe ist die Geschichte der Geburt Jesu, wie wir sie in den Evangelien von Lukas und Mathäus finden. Dort hören wir von der Ankunft der Drei Weisen oder Könige. In der lateinischen Version heißen sie magi, was ein Gelehrter ist, der sich mit übernatürlichen Dingen beschäftigt, auf keinen Fall aber ein König. Während aber die Evangelien nur von einer Herberge (deversorium) sprechen, was man treffender als “Absteige” übersetzt, fügt der Kirchenlehrer Origenes Anfang des 3. Jahrhundert noch hinzu, dass die Geburt in einem Stall stattfand und dass Ochs und Esel anwesend waren. Diese beiden Tiere finden sich schon auf Geburtsszenen in frühchristlicher Zeit. Noch wird aber nicht eine Landschaft mit Figuren dargestellt, man findet die Nativitas (Geburt) nur auf Halbreliefs. Das älteste befindet sich auf dem Sarkophag der Adelphia und des Valerius in Syrakus aus dem 4. Jh. Es ist interessant, dass die Magi aus dem Orient nicht immer drei waren, manchmal sind sie zahlreicher. Es war dann Papst Leo der Große, der ihre Zahl auf drei festlegte, wobei jeder einer anderen Menschenrasse entstammte (Europa, Asien, Afrika) Dabei war der Asiat der älteste (Balthasar), der Europäer (Caspar) der im reifen Mannesalter) und der Afrikaner (Melchior) der jüngere. Die Zahl Drei war seit jeher eine göttliche Zahl (drei Hauptgötter bei den Griechen, die Kapitolinische Trias bei den Römern) Sie steht hier also auch für die drei damals bekannten Kontinente und für die drei Lebensalter des Menschen. Dreifach sind auch die Geschenke. Weihrauch symbolisiert das Göttliche, Myrrhe das Menschliche und Gold das neugeborene göttliche Kind.

Die Rolle Mariens

Ab dem 6.-8. Jahrhundert wird auf italienischen Geburtsszenen die Jungfrau Maria neben der Krippe gezeigt, was den Einfluss der östlichen Kirche deutlich macht. Dies spiegelt den theologischen Streit um das Wesen Mariens wider. Die Kirche von Antiochien unter der Führung des Bischofs Nestor unterschied die zwei Naturen von Christus: die göttliche und menschliche, derzufolge Maria die Mutter von Jesus-Mensch und nicht die Mutter von Jesus-Gott war. Sein Gegenspieler Cyrillus aus Alexandria behauptete dagegen, dass Jesus schon als Gott zur Welt gekommen sei. Auch wenn die Ansicht Nestor auf dem Konzil von Ephesus 431 offiziell verdammt wurde, folgten man ihm im Orient noch mehrere Jahrhunderte lang. Deshalb wird Maria im Osten oft nach der Geburt gezeigt, wenn sie noch im Geburtsbett liegt und das Kind gerade gewaschen wird.

Die Vorläufer

Im Westen entwickelte sich jedoch durch die Schriften von Thomas von Aquin und des hl.Bonaventura allmählich der Marienkult, der Maria als Gottesgebährerin (theotokos) sah und nicht duldete, dass Maria als Gebärende wie eine Frau aus dem Volk dargestellt wird. Ab da wird Maria als Betende gezeigt, die Hebamme (Eva) und ihre Helferin (Sibylla), die noch auf dem Sarkophag von Syrakus zu sehen sind, verschwinden nun ganz aus der Ikonographie. Wann zum ersten Mal vollplastische Darstellungen der Krippe erscheinen, wissen wir nicht; die ersten schriftlichen Hinweise tauchen im 13. Jahrhundert auf. Eine Art Vorgänger der Krippendarstellung war die Anweisung von Papst Liberius (352- 355), der in der Kirche S. Maria Maggiore eine primitive Hüttenkonstruktion aus Ästen aufstellen ließ, um an die Umstände der Geburt Jesu zu erinnern. Vor dieser Hütte wurde dann die Weihnachtsmesse.....

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